Zurück

Warum weinen wir?

24.07.2026

Ob vor Freude, Trauer, Schmerz oder Rührung – Tränen begleiten uns ein Leben lang. Doch warum weinen wir überhaupt? Sind Tränen einfach ein Ausdruck von Emotionen oder erfüllen sie auch körperliche Funktionen? Erfahren Sie, wieso Tränen weit mehr als nur „Wasser aus den Augen“ sind, was sie mit Nährstoffen zu tun haben und wieso sie eine Rolle in unserer Kommunikation spielen.

Fotoausschnitt bei welchem man nur die Augen leicht seitlich sieht, die Frau hat Tränen in den Augen und die Wimperntusche ist leicht abgerieben.

Was sind Tränen?

Tränen sind eine klare, natürliche Körperflüssigkeit, die die Oberfläche unserer Augen ständig bedeckt. Also auch die permanente wässrige Schicht auf unseren Augen zählt zu den Tränen. Die Tränenflüssigkeit besteht überwiegend aus Wasser, enthält aber auch Salze, Eiweisse (Proteine), Fette, Schleimstoffe, Enzyme und Antikörper. Diese Zusammensetzung macht Tränen zu weit mehr als nur «Salzwasser».

Tränen werden in der Tränendrüse gebildet, die sich oberhalb des äusseren Augenwinkels befindet. Mit jedem Lidschlag verteilt sich ein feiner Tränenfilm über die Augenoberfläche. Dieser besteht aus einer Lipidschicht, einer wässrigen Schicht und einer Schleimhautschicht:

Die Lipidschicht: 
Die Lipidschicht ist eine “Fettschicht”. Diese verhindert, dass die Tränen zu schnell verdunsten und trägt somit dazu bei, dass die Augen nicht austrocknen. Zudem sorgt die Lipidschicht beim Blinzeln dafür, dass die Flüssigkeit gleichmässig auf dem Auge verteilt wird.

Die wässrige Schicht: 
Diese mittlere und dickste Schicht besteht überwiegend aus Wasser, enthält aber auch Elektrolyte, Proteine, Enzyme und Antikörper. Sie versorgt die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Gleichzeitig spült sie Staub, Pollen und andere Fremdkörper aus dem Auge und trägt so zum Schutz vor Infektionen bei.

Schleimschicht: 
Diese Schicht wird auch Muzinschicht genannt. Sie ist die innerste Schicht des Tränenfilms. Sie sorgt dafür, dass der Tränenfilm auf der ansonsten wasserabweisenden Oberfläche der Hornhaut haften kann. Ohne diese Schleimschicht würde die Tränenflüssigkeit nicht gleichmässig verteilt werden, sondern in Tropfen abperlen. 

Warum brauchen wir Tränen?

Tränen haben verschiedene Funktionen und sind für die Gesundheit der Augen sehr wichtig. Obwohl wir sie meist erst beim Weinen bewusst wahrnehmen, produziert unser Körper rund um die Uhr Tränen. Mit jedem Lidschlag wird ein feiner Tränenfilm über die Augenoberfläche verteilt, der das Auge schützt und seine Funktion aufrechterhält.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Tränen besteht darin, die Augenoberfläche feucht zu halten. Dadurch wird verhindert, dass die Hornhaut austrocknet und ihre empfindlichen Zellen Schaden nehmen. Gleichzeitig versorgen die Tränen die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Da die Hornhaut keine eigenen Blutgefässe besitzt, ist sie auf den Tränenfilm angewiesen.

Darüber hinaus übernehmen Tränen eine wichtige Schutzfunktion. Sie spülen Staub, Pollen und andere kleine Fremdkörper aus dem Auge und enthalten antibakterielle Stoffe wie das Enzym Lysozym, das Krankheitserreger bekämpfen kann. So tragen sie dazu bei, Infektionen vorzubeugen und die empfindliche Augenoberfläche gesund zu halten.

Kurz gesagt:

Tränen reinigen, schützen und versorgen unsere Augen – und sind damit ein wesentlicher Bestandteil unseres Sehsystems.

Drei Arten von Tränen

Nicht alle Tränen entstehen aus demselben Grund. Je nach Auslöser und Funktion unterscheiden Fachleute drei Arten von Tränen: Basale Tränen, Reflextränen und emotionale Tränen.

Basale Tränen:
Basale Tränen werden kontinuierlich von den Tränendrüsen produziert und bilden den schützenden Tränenfilm auf der Augenoberfläche. Sie halten die Augen feucht, versorgen die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen und schützen sie vor dem Austrocknen. Da sie ständig nachgebildet werden, nehmen wir sie im Alltag meist gar nicht wahr.

Reflextränen:
Reflextränen entstehen als Reaktion auf äussere Reize wie Rauch, Wind, Staub, Zwiebeln oder einen Fremdkörper im Auge. Sie werden in grösseren Mengen produziert als basale Tränen und dienen dazu, das Auge möglichst schnell zu reinigen und potenziell schädliche Stoffe auszuspülen. So tragen sie dazu bei, die empfindliche Augenoberfläche zu schützen.

Emotionale Tränen:
Emotionale Tränen treten bei intensiven Gefühlen wie Trauer, Freude, Erleichterung, Mitgefühl oder Überforderung auf. Im Gegensatz zu basalen und Reflextränen stehen sie nicht in erster Linie im Dienst des Augenschutzes, sondern werden durch emotionale Prozesse im Gehirn ausgelöst.

anmeldung-infoveranstaltung-pflegehelferkurs-2

Warum weinen wir bei Emotionen?

Warum der Mensch emotionale Tränen entwickelt hat, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Forschende vermuten jedoch, dass sie eine wichtige Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation spielen. Wer weint, signalisiert seiner Umgebung Verletzlichkeit, Stress oder ein starkes emotionales Erleben. Tränen können Mitgefühl auslösen, soziale Bindungen stärken und anderen zeigen, dass Unterstützung benötigt wird.

Einige Studien weisen zudem darauf hin, dass emotionale Tränen chemische Botenstoffe enthalten können, die sich leicht von basalen oder Reflextränen unterscheiden. Ob das Weinen selbst Stresshormone in nennenswertem Umfang aus dem Körper «ausschwemmt», ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Fühlen wir uns nach dem Weinen besser?

Viele Menschen beschreiben das Weinen als befreiend und berichten, dass sie sich danach erleichtert oder ruhiger fühlen. Tatsächlich zeigt die Forschung jedoch, dass dieser Effekt nicht bei allen Menschen gleich auftritt. Ob sich die Stimmung nach dem Weinen verbessert, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise, warum geweint wurde, ob die betroffene Person Trost oder soziale Unterstützung erhält und wie die belastende Situation letztlich ausgeht. Auch individuelle Unterschiede im Umgang mit Emotionen beeinflussen, wie das Weinen erlebt wird.

Während manche Menschen bereits kurz nach dem Weinen Erleichterung verspüren, fühlen sich andere zunächst erschöpft, traurig oder emotional aufgewühlt. Erst nach einiger Zeit kann sich die Stimmung wieder stabilisieren. Weinen ist daher kein automatischer „Stresslöser“, kann aber unter den richtigen Umständen dazu beitragen, emotionale Belastungen zu verarbeiten.

Fazit

In unserem Arbeitsalltag in der Angehörigenpflege erleben wir immer wieder emotional herausfordernde Situationen. Überforderung, Trauer, Frust, Verzweiflung, Wut oder Hilflosigkeit gehören zu den Gefühlen, von denen pflegende Angehörige berichten oder die wir gemeinsam mit ihnen erleben. Nicht selten fliessen dabei Tränen. Dabei machen wir immer wieder die Erfahrung, dass viele Menschen Weinen als Zeichen von Schwäche empfinden. Aus unserer Sicht ist jedoch das Gegenteil der Fall: Weinen ist eine natürliche und menschliche Reaktion auf intensive Gefühle und begleitet uns von Geburt an.

Tränen sind weit mehr als nur ein Ausdruck von Emotionen. Sie schützen unsere Augen, reinigen die empfindliche Hornhaut und spielen eine wichtige Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Besonders emotionale Tränen zeigen, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind. Auch wenn die Forschung noch nicht alle Fragen rund um das Weinen beantworten kann, ist klar: Tränen sind ein natürlicher Bestandteil unseres Körpers – und ein Ausdruck dessen, was uns als Menschen verbindet.