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Sport mit Behinderung im Winter: Skifahren, Schlittenfahren & Winterfreizeit in der Schweiz

13.1.2026

Wenn im Winter Schnee fällt, zieht es viele Menschen nach draussen: Skifahren, Schlittenfahren, Schlittschuhlaufen oder einfach ein Spaziergang im Schnee gehören für viele zu den klassischen Hobbies im Winter. Doch wie sieht es aus, wenn eine Beeinträchtigung wie Demenz, eine Sehbehinderung, Parkinson oder eine andere körperliche oder kognitive Einschränkung hinzukommt?

Mann sitzt auf einem Mono-Ski und fährt auf einer Piste

Die gute Nachricht: Wintersport und Winterfreizeit sind auch für Menschen mit Beeinträchtigungen möglich. Dank geeigneter Angebote, angepasster Ausrüstung und fachkundiger Begleitung kann Bewegung im Schnee für viele Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen funktionieren.

Skifahren mit Behinderung

Skifahren gehört zu den klassischen Winteraktivitäten und vermittelt ein unvergleichliches Gefühl von Freiheit, Bewegung und Genuss. In der Schweiz gibt es zahlreiche Programme, die das Skifahren individuell an die körperlichen, geistigen oder sensorischen Fähigkeiten der Teilnehmenden anpassen. Dabei steht nicht der Leistungsgedanke, sondern das Erlebnis im Vordergrund: Sicherheit, Freude an der Bewegung und das gemeinsame Erleben mit anderen werden gezielt gefördert. Die Angebote berücksichtigen unterschiedliche Bedürfnisse – von der Unterstützung bei Gleichgewichtsproblemen bis hin zu speziellen Begleitkonzepten für Menschen mit kognitiven Einschränkungen. So können beeinträchtigte Menschen selbstbestimmt die Pisten geniessen, neue Fähigkeiten entdecken und gleichzeitig Selbstvertrauen und soziale Kontakte stärken.

Mit Rollstuhl Skifahren

Auch für Rollstuhlfahrer*innen ist Skifahren möglich. Mit spezieller Ausrüstung wie Mono‑Ski, Dual‑Ski oder Snow-Kart und fachkundiger Begleitung können die Pisten sicher erlebt werden. Viele Skiregionen haben ein breites Angebot an inklusivem Wintersport, unter anderem für Rollstuhlfahrer*innen.

Zwei Beispiele die wir für euch herausgesucht haben:

  • Para Alpine Skiing, Saas‑Fee
    Adaptives Skifahren mit Mono-Ski, Dual-Ski oder Snow-Kart für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Sehbehinderung oder geistiger Behinderung. Fachpersonen begleiten und unterstützen Erwachsene sowie auch Kinder, so dass Skifahren sicher möglich ist. Das Angebot richtet sich gleichermassen an Erfahrene sowie Anfänger.
     
  • Adaptive Skikurse, Leysin
    Tandem-, Dual- und Uniski-Kurse richten sich an Menschen mit unterschiedlichen körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. Im Mittelpunkt stehen das Erlebnis im Schnee und die Freude an der Bewegung – nicht der sportliche Wettbewerb. Dank speziell ausgebildeter Skilehrpersonen und angepasster Ausrüstung wird der Wintersport individuell begleitet und für alle zugänglich gemacht.

Wintersportangebote für Menschen mit geistiger oder kognitiver Beeinträchtigung

Sport für Menschen mit geistiger Behinderung kann ebenso abwechslungsreich und motivierend sein wie für alle anderen. Inklusive Programme ermöglichen es, aktiv dabei zu sein, Neues auszuprobieren und selbstbestimmt Bewegungsangebote zu nutzen. Solche Angebote stärken das Selbstvertrauen, schaffen positive Routinen und ermöglichen es, unterschiedliche Sportarten im geschützten Rahmen auszuprobieren. Gleichzeitig bieten sie Gelegenheiten, Freundschaften zu knüpfen und ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben – denn Sport verbindet Menschen über individuelle Einschränkungen hinweg.

  • Special Olympics bietet auch Winterangebote an:
    Trainings und Wettkämpfe im Langlauf, Skifahren und weiteren Wintersportarten. Der Fokus liegt auf Bewegung, Teamgeist und Teilhabe.
     
  • „Schneesport mit Herz“ in Melchsee-Frutt:
    Inklusiver Schneesporttag auf der Melchsee-Frutt für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Begegnung, Freude an Bewegung und gemeinsames Erleben stehen im Vordergrund.
     
  • Skischule Arosa:
    Blindenschneesport / Dual Bob wird in Arosa für Menschen mit Sehbehinderung angeboten. Die begleiteten Wintersportangebote umfassen Skifahren, Snowboarden, Langlaufen, Schneewandern oder Dualbob fahren - die Skischule hat ein vielseitiges Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen.
Mann sitzt auf einem Sitz auf Langlauf-Skiern und zwei Stöcken in den Händen.

Winterfreizeit abseits der Skipiste

Nicht alle Menschen möchten oder können Ski fahren – und das ist völlig in Ordnung. Abseits der Pisten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich im Winter aktiv zu bewegen und die Natur zu erleben. Bewegungsangebote für Menschen mit Beeinträchtigung können flexibel an die individuellen Bedürfnisse, das Tempo und die körperlichen Voraussetzungen angepasst werden. Sie reichen von einfachen Spaziergängen in verschneiter Landschaft bis hin zu kreativen Bewegungsübungen im Freien oder in geschützten Räumen. 

  • Schneewandern und Winterspaziergänge
    Ideal für Menschen mit Demenz, Parkinson oder eingeschränkter Mobilität. Viele Regionen bieten gut ausgebaute, barrierearme Winterwanderwege, die auch mit Begleitung gut begehbar sind.
     
  • Schlittenfahren
    Niederschwellige Aktivität mit grossem Spassfaktor, auch gemeinsam möglich (geschoben, gezogen oder begleitet). Perfekt für Familienausflüge oder kurze Bewegungseinheiten im Schnee.
     
  • Barrierefreie Winterangebote in der Natur
    Schweizer Pärke und Regionen setzen zunehmend auf barrierearme Wege und Winterangebote. So können Naturerlebnisse auch mit Beeinträchtigungen genossen werden.

Unsere Tipps für Sicherheit und Vorbereitung

Damit Winteraktivitäten wirklich Freude bereiten und sicher sind, lohnt es sich, einige Punkte zu beachten. Wir haben unsere Tipps für ein sicheres und entspanntes Wintererlebnis zusammengestellt: 

  • Reale Erwartungen setzen: Nicht jedes Ziel muss gross sein, auch kleine Erlebnisse zählen. Wichtig ist, dass die Aktivität Freude bereitet und die MenschenTeilnehmenden nicht überfordert.
  • Passende Kleidung: Wärme, Schichtenprinzip, atmungsaktive Materialien. Auch wasserfeste Handschuhe, Mütze, Schal und rutschfeste Schuhe sind essenziell, um Komfort und Sicherheit zu gewährleisten.
  • Regelmässige Pausen: Kurze Pausen helfen, Kräfte zu sparen und das Erlebnis angenehm zu gestalten. Dabei kann man kleine Bewegungsübungen einbauen, z. B. Strecken oder lockeres Auf-der-Stelle-Gehen, um die Muskeln geschmeidig zu halten.
  • Begleitung und Hilfe: Guides oder erfahrene Begleitpersonen geben Sicherheit und Ruhe. Es lohnt sich, die Teilnehmenden im Vorfeld über den Ablauf zu informieren und bei Bedarf Handzeichen oder Signale zu vereinbaren.
  • Ruhige Zeitfenster nutzen: Weniger Trubel auf Pisten oder Wegen reduziert Stress und Ablenkung. Frühmorgens oder spät nachmittags sind oft angenehmere Zeiten für Menschen, die sensible Reize oder Gedränge meiden möchten.
  • Verpflegung und Flüssigkeit: Ausreichend trinken und kleine Snacks einplanen, damit Energie und Konzentration erhalten bleiben – gerade bei längeren Aktivitäten im Freien.
  • Individuelles Tempo: Wir bewegen uns alle in unserem eigenen Rhythmus. Pausen, Gehgeschwindigkeit oder Intensität sollten flexibel angepasst werden.
  • Sicherheit im Gelände: Steile Hänge, vereiste Wege oder unebenes Terrain vorher prüfen, gegebenenfalls Hilfsmittel wie Rutschbremsen, Teleskopstöcke oder Schlitten einsetzen.

Jeder Mensch ist unterschiedlich – genau diese Individualität macht es wichtig, Tempo und Umgebung anzupassen.

Fazit: Bewegung, Erlebnis und Teilhabe für alle

Eine Beeinträchtigung ist kein Hindernis für Wintersport oder Winterfreizeit. Mit angepasster Ausrüstung, etwas Vorbereitung, inklusiven Programmen und fachkundiger Begleitung können Menschen Wintererlebnisse bewusst und aktiv mitgestalten. Ob auf Skiern, beim Schneewandern, Schlittenfahren oder einem Winterspaziergang – entscheidend ist nicht, wie perfekt etwas ausgeführt wird, sondern dass Erlebnisse möglich bleiben.