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Medikamenten-Management

6.2.2026

Medikamenten-Management umfasst alle Schritte rund um den sicheren, korrekten und verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten: Von der Organisation und Vorbereitung über die richtige Einnahme bis hin zur Entsorgung. Wir zeigen euch, wie ihr sicherstellt, dass das Medikamente ihre gewünschte Wirkung haben, Nebenwirkungen möglichst gering bleiben und Risiken wie Fehl- oder Doppeleinnahmen vermieden werden können. Denn die Medikamentenabgabe gehört für viele unserer pflegenden Angehörigen zum Alltag und ist ein nicht zu unterschätzendes Thema.

Frau hält ein Wasserglas in der Hand und Tabletten in der anderen Hand, auf dem Tisch liegen Medikamente.

Gerade wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden – etwa bei chronischen Erkrankungen oder im Alter – wird Medikamenten-Management zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags. Es erfordert Struktur, Aufmerksamkeit und Fachwissen, da kleine Fehler grosse Auswirkungen haben können. Ein gutes Medikamenten-Management schafft Sicherheit, entlastet den Alltag und schützt die Gesundheit der betroffenen Person.

Medikamente organisieren und den Überblick behalten

Sobald mehrere Medikamente im Spiel sind, wird Übersicht zentral. Um den Überblick nicht zu verlieren und stets zu wissen, welche Medikamente wann, wie oft und in welcher Dosis eingenommen werden, gibt es verschiedene Hilfsmittel:

  • Medikamentenplan: Der Medikamentenplan dient dem Überblick. Welche Medikamente werden wann und wie oft eingenommen? Er sollte alle verschriebenen Präparate, Dosierungen und Einnahmezeiten enthalten – auch rezeptfreie Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel. So kann bei Arztbesuchen oder Spitalaufenthalten gewährleistet werden, dass keine wichtigen Informationen betreffend der eingenommenen Medikamente vergessen gehen. Unter diesem Link findet ihr unsere Vorlage für einen Medikamentenplan zum Ausdrucken.  

    Wichtig: Regelmässige Nachführung und Kontrolle des Medikamentenplans sorgen dafür, dass alle Medikamente aktuell, korrekt und noch notwendig sind. Besonders nach Spitalaufenthalten, neuen Verordnungen oder Dosisanpassungen sollte der Plan überprüft werden.

  • Feste Einnahmezeiten: Die Medikamente jeweils zur selben Zeit einzunehmen, schafft eine Routine und reduziert das Risiko, Medikamente zu vergessen oder versehentlich doppelt einzunehmen. Hilfsmittel wie Dosierer oder Erinnerungshilfen können dabei unterstützen.
     
  • Klare Zuständigkeiten: Wer bereitet die Medikamente vor, wer überwacht die Einnahme und wer bestellt nach? Die eindeutige Klärung dieser Fragen zwischen allen Beteiligten sorgt dafür, dass keine Einnahmen verpasst wird, Doppeleinnahmen passieren oder Bestellungen vergessen gehen. 

So bleibt das Medikamenten-Management sicher, nachvollziehbar und gut organisiert – ein zentraler Bestandteil für ein entspanntes und sicheres Alltagsleben.

Medikamente und pflegende Angehörige

Für pflegende Angehörige gehört es nicht selten zum Alltag, die Medikamente für Angehörige bereit zu machen, dafür zu sorgen, dass die Einnahme regelmässig ist und bei Abklärungen oder Veränderungen in der Medikation informiert zu bleiben. Daher ist es sinnvoll, wenn pflegende Angehörige wissen, worauf es der Vorbereitung und Einnahme von Medikamenten ankommt und wie sie Wechselwirkungen oder eine falsche Handhabung vermeiden können.

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Medikamente richtig vorbereiten

Die Vorbereitung der Medikamente erleichtert die Einnahme und erhöht die Sicherheit. 
Hilfreich dabei sind:

  • Die 4-R-Regel: Prüfen Sie ob die richtige Person die Medikamente einnimmt, ob es das richtige Medikament ist, die richtige Dosis und die richtige Zeit vor jeder Einnahme.
  • Dosierung vorbereiten: Dass nicht bei jeder Einnahme die Medikamente bereit gemacht werden müssen, können Dosierboxen helfen. Dabei werden die Medikamente sortiert oder nach Tageszeiten aufgeteilt, so dass bei jeder Einnahme ein Kästchen geöffnet werden kann.

Hinweis für viele Präparate: Wenn eine Person mehr als 3–4 Medikamente einnimmt, empfehlen wir immer, diese von einem Apotheker/einer Apothekerin auf Wechselwirkungen prüfen zu lassen. So werden unerwünschte Nebenwirkungen vermieden. Mehr zu diesem Thema haben wir im Kapitel “Wechselwirkungen Medikamente: Risiken und Auswirkungen”.

Medikamenteneinnahme vereinfachen: Mörsern, Kapseln öffnen, Tabletten halbieren

Für Menschen, die Mühe haben Medikamente zu schlucken, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Einnahme zu vereinfachen. Dazu gehören das Halbieren und das Mörsern von Tabletten aber auch das Öffnen von Kapseln und das Auflösen in Wasser.

  • Mörsern oder Kapseln öffnen: Einige Präparate lassen sich durch mörsern pulverisieren. Kapseln können geöffnet und der Inhalt dadurch in kleineren Portionen eingenommen werden. Sind die Kapseln mit einer Flüssigkeit gefüllt, kann die Flüssigkeit direkt mit einem Glas Wasser getrunken werden.
  • In Flüssigkeit auflösen: Das Auflösen von Medikamenten in einer Flüssigkeit kann die Einnahme ebenfalls vereinfachen, da so keine ganze Tablette geschluckt werden muss.
  • Tabletten halbieren: Manche Medikamente lassen sich teilen, um die Dosierung anzupassen. Auch hier gilt: Nur, wenn das Präparat und die Dosierung dafür geeignet sind, sollten solche Veränderungen an Medikamenten vorgenommen werden.

Aber Achtung: Nicht alle Medikamente dürfen in ihrer Form verändert werden, da man dadurch riskiert, dass sich die Wirkung verändert, verringert oder verstärkt. Zwei Beispiele: 

  1. Dass eine Tablette nicht gemörsert werden darf, kann beispielsweise daran liegen, dass ein Medikament verzögert freigesetzt werden soll (retardierte Medikamente) durch die Tablettenform. Wird das Medikament gemörsert, kann das dazu führen, dass der Wirkstoff sofort freigesetzt wird, was gefährlich sein kann.
  2. Die Hülle der Kapseln von einigen Medikamenten sollte nicht entfernt werden, um ihre Wirkung sicherzustellen. Denn einige Wirkstoffe gehen ohne die Hülle der Kapsel durch die Magensäure verloren.

Daher raten wir immer: Fragen Sie im Zweifel in einer Apotheke oder bei einer ärztlichen Fachperson nach, welche Medikamente in ihrer Form verändert werden dürfen. Darf ein Medikament nicht verändert werden, können andere Einnahmehilfen wie spezielle Schlucktechniken oder die Art der Flüssigkeit, mit welcher die Medikamente eingenommen werden, weiterhelfen. Auch hier können in einer Apotheke hilfreiche Tipps und Tricks eingeholt werden.

Wechselwirkungen Medikamente: Risiken und Auswirkungen

Viele Menschen nehmen gleichzeitig mehrere Medikamente ein – sei es verschrieben, rezeptfrei oder als Nahrungsergänzung. Das gleichzeitige Einnehmen verschiedener Präparate birgt Risiken, da Wirkstoffe sich gegenseitig beeinflussen können. Dies gilt auch für den Fall, wenn eines der Medikamente nur ab und zu, respektive bei akuten Beschwerden, das andere hingegen regelmässig eingenommen wird. Diese Wechselwirkungen können die Wirkung verstärken, abschwächen oder unerwartete Nebenwirkungen hervorrufen.

Worauf Sie achten sollten:

  • Immer den Arzt/die Ärzting oder den Apotheker/die Apothekerin konsultieren: Jede neue Verschreibung sollte mitgeteilt werden, damit Fachpersonen prüfen können, ob Wechselwirkungen möglich sind.
  • Medikamentenplan aktuell halten: Nur so behalten Sie den Überblick über alle Präparate, Dosierungen und Einnahmezeiten.
  • Keine Eigenexperimente: Medikamente sollten nicht eigenständig kombiniert, geteilt oder abgesetzt werden, ohne dass dies medizinisch abgesegnet ist.
  • Anzeichen auf Probleme beobachten: Übelkeit, Schwindel, Blutdruckschwankungen, ungewöhnliche Müdigkeit oder Hautreaktionen sowie viele weitere Befinden oder Beschwerden können auf Wechselwirkungen hinweisen. Bei solchen Symptomen sofort ärztlichen Rat einholen!

Regelmässige Kontrolle bei Mehrfachmedikation: Besonders bei älteren Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen ist es sinnvoll, alle 3–6 Monate die gesamte Medikation durch eine Fachperson, bspw. in der Apotheke, überprüfen zu lassen. Apotheker*innen sind Expert*innen für Medikamente, daher können sie verlässlich über Medikamente und die richtige Einnahme Auskunft geben.

Hilfreiche Tipps für den Arztbesuch

Neben der korrekten Organisation und Einnahme von Medikamenten, spielt auch die aktive Rolle der Patient*innen oder ihrer pflegenden Angehörigen eine wichtige Rolle für die Sicherheit. Dazu gehört:

  • Im Arzt- oder Apothekengespräch gezielt nach Zweck, Dauer, Nebenwirkungen und möglichen Alternativen zu fragen,
  • Unklares in eigenen Worten zusammenzufassen, um Missverständnisse zu vermeiden,
  • bei Bedarf eine Begleitperson mitzunehmen, die dem Gespräch zuhört und gegebenenfalls ebenfalls Fragen stellen kann
  • und Auffälligkeiten wie ungewohnte Verpackungen, neue Medikamentennamen oder veränderte Tabletten sofort anzusprechen.

Ebenso wichtig ist es, neue oder ungewöhnliche Beschwerden aufmerksam zu beobachten und zu melden – auch wenn sie erst später auftreten und nicht eindeutig zuordenbar sind. Pflegefachpersonen oder Spitex-Organisationen können bei der Aufbewahrung, Vorbereitung, Einnahmehilfe und Beobachtung unterstützen und Rückmeldungen an die Ärzt*innen geben. 

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Entsorgung von Medikamenten: Sonderabfall

Abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente sollten sachgemäss als Sonderabfall entsorgt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Medikamente rezeptpflichtig sind oder nicht. Medikamente sollten weder in Tabletten-, Spray- oder Salbenform im Hauskehricht entsorgt werden oder die Toilette runtergespült werden. Eine sachgemässe Entsorgung dient der Sicherheit von Menschen, Tieren und der Umwelt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Medikamente richtig entsorgt werden können: 

  • Apotheke: Die meisten Apotheken nehmen Medikamente zurück und kümmern sich um die sachgemässe Entsorgung.
  • Kommunale Sammelstelle: Manche Gemeinden haben spezielle Entsorgungsstellen, bei denen Medikamente abgegeben respektive entsorgt werden können. 

Unser Fazit: Sicherheit und Alltagserleichterung durch strukturiertes Management

Wir empfehlen allen, die Medikamente einnehmen, ein gut organisiertes Medikamenten-Management. Denn damit kann eine zuverlässige und stressfreie Einnahme gewährleistet werden. Auch für pflegende Angehörige ist es unabdingbar, eine Übersicht und den fachgerechten Umgang mit den Medikamenten ihrer Liebsten zu wahren. Denn oft sind die Betroffenen selbst nicht mehr in der Lage, potenzielle Fehler oder Unstimmigkeiten zu bemerken. Sie sind darauf angewiesen, dass die pflegenden Angehörigen sich darum kümmern, dass ihre Medikamenteneinnahme zuverlässig funktioniert.

Mit einem strukturierten Ansatz lassen sich Fehler vermeiden, Nebenwirkungen reduzieren und der Alltag insgesamt leichter meistern – ein Gewinn für alle Beteiligten.